Am Dienstag nach meiner Wahl zum Präsidenten des DSRV bin ich wie immer zum Training gegangen. Dort treffe ich auch immer zwei Freizeitspieler, die mir zwar von Angesicht, aber nicht namentlich bekannt sind. „Der deutsche Verband soll einen neuen Präsidenten haben“,sagt der Eine, „der soll aus Münster sein.“ Da erwidert der Andere: „Das ist mir völlig egal, der hilft mir auch nicht, gegen dich zu gewinnen.“
Da hat der Unbekannte zunächst absolut recht. Ob ich Präsident bin, oder irgend jemand anderes das Amt bekleidet, hat auf die Vielzahl der Squasher aktuell keinen Einfluss, Wenn keiner im Präsidium etwas arbeiten würde, selbst wenn der DSRV alle Tätigkeiten sofort einstellen würde, würden am Dienstag darauf die Zwei wieder squashen, vermutlich mit dem üblichen Ergebnis.
Nur Jugendarbeit würde ohne Verbände vermutlich keiner machen. Jugendarbeit ist zeitaufwändig und kostspielig, nervtötend und manchmal frustrierend. Dennoch engagieren sich sehr viele Ehrenamtliche mit Freude jede Woche und jedes Wochenende für den Nachwuchs. Die vor kurzem gespielte 1. DSRV-Jugendrangliste in Wuppertal mit über 120 Teilnehmern zeigt deutlich, dass sehr viel gute Arbeit mit Kindern geleistet wird. Mit neuer Struktur und Aufgaben Verteilung sind Jugendwart Martin Maierhofer und sein Jugendausschuss auf dem besten Weg, aus der Sparflamme der Jugendarbeit vergangener Jahre einloderndes Feuer zu entfachen.
Der Unbekannte würde vermutlich entgegnen, dass es ihm auch nicht weiterhelfen würde, wenn 300 Kinder spielen würden.
Aber ohne Verbände würden auch keine Trainer und Schiedsrichter ausgebildet. Ohne Schiedsrichter funktioniert das Squash-Spiel nicht richtig und ohneTrainer kommt man als Spieler irgendwann
nicht mehr weiter. Peter Köck als verantwortlicher Vize-Präsident verwendet viel Ehrgeiz darauf, unter anderem diese beiden Ressorts, die in der Vergangenheit nicht reibungslos und effektiv arbeiteten, wiederzubeleben. Im Schiedsrichterwesen wird das mit Obmann Willi Eickworth sicher gelingen, bei denTrainern muss man sehen, wie es sich entwickelt.
Den Unbekannten lässt das immer noch kalt, „Schiedsrichter brauche ich nicht, wir schlagen einfach jeden Ball, auch wenn man mal den Gegner trifft, und von so einem Trainerschnösel lasse ich mir nichts sagen.“
Was ist aber mit dem Aushängeschild des deutschen Squash-Sports? Nationalmannschaft und Bundesliga. Rudi Rohrmüller hat als Sportwart in Zusammenarbeit mit Bundestrainer Manfred Herwig in kurzer Zeit bereits bewiesen, dass ein frischer Wind weht. Die Qualifikation für die WM, die in Bremen und Paderborn gespielt wurden, sind ein erster Beleg, und die Ergebnisse bei der WM werden ein erster Fingerzeig sein. Und ganz sicher wird er auch die Bundesliga aus ihrem Dornröschenschlaf wecken und mithelfen, diese wieder attraktiver und interessanter zu gestalten.
Auch das juckt den Unbekannten nicht. „Von mir aus werden die Weltmeister, da spiele ich immer noch nicht besser.“
Aber solche Erfolge könnte man mit guter Öffentlichkeitsarbeit transportieren undd en Sport wieder ins Gespräch bringen. Ich selbst werde versuchen, in diesem Bereich einiges zu verbessern. Vor allem der Internet-Auftritt des DSRV und die squashtime sollen viel deutlicher in den Mittelpunkt gerückt werden. In meinem Verantwortlichkeitsbereich Geschäftsstelle bin ich stark bemüht, Kosten zu sparen und die gesparten Mittel dem überregionalen Sport und den Landesverbänden zuzuführen. Das Finanzpaket, das „Finanzminister“ Steve Mann derzeit für 2004 schnürt, wird erste Erfolge aufzeigen.
Aber auch hierfür interessiert sich der Unbekannte nicht. Der Besitzer seines Centers schon. Wenn er nicht die Anlage voller Kinder hat, die von qualifizierten Trainern angeleitet werden, und wenn er für seine Sportler keine Turniere oder Ligen anbieten kann, und wenn das alles nicht mehr finanzierbar ist, dann kann er seine Halle besser zusperren oder künftig als Lagerhalle vermieten. Dann wird in Court Nummer 10 künftig Papier gestapelt oder Jeanshosen aus Taiwan.
Und dann kann der Unbekannte nicht mehr gegen seinen Kumpel spielen und auch nicht gewinnen. Dann interessiert ihn sehr wohl, wer das alles verbockt hat, wer als Präseident und Präsidium dafür verantwortlich ist. Dann wäre es aber leider viel zu spät. Die satzungsgemäße Aufgabe „Förderung des deutschen Squash-Sport“ nehmen wir sehr ernst. Nur ein gut funktionierender DSRV und funktionierende LV können in aktiver und intensiver Zusammenarbeit mit den Hallenbetreibern den Squash-Sport voranbringen. Auch für alle Unbekannten, denen es zunächst völlig egal ist, wer die Verantwortlichen sind.
Michael Elger - DSRV-Präsident
Bericht der squashTIME


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