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Deutschen Senioren-Meisterschaften für Teams
Deutschen Senioren-Meisterschaften für Teams

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Der Squash-Verrückte Alfred Neufeld hat die Deutschen Senioren-Meisterschaften für Teams etabliert – und zieht damit frühere Profis und lebende Legenden an.

So sieht also ein Verrückter aus. Schwarzes Polohemd, schwarze Jogginghose, dazu ein Schnauzbart im Gesicht und eine Kette um den Hals. Eigentlich nicht allzu ungewöhnlich für jemanden, der einen Volkssport wie Squash betreibt. Alfred Neufeld, 48, sagt trotzdem: „Ja, wir sind Verrückte.“ Er grinst. „Squashverrückte.“ Es wird wohl stimmen, denn was sich über die 9. Deutsche Senioren-Vereins-Mannschaftsmeisterschaft (DSMM) beim RSC München an diesem Wochenende berichten lässt, die der SC Schängel Koblenz bei den Männern und der SC München-Solln bei den Frauen gewannen, ist schon erstaunlich.

„Eine eigene Welt“

„Es ist eine eigene Welt hier“, sagt Neufeld. Eine Welt, die er 1993 selbst geschaffen hat. Damals, als der Münchner Neufeld seine achtjährige Bundesligakarriere beendet hatte, dachte er sich: „So will ich nicht aufhören.“ Er wollte nicht verzichten auf den Spaß, den ihm Squash bereitete. Auf dem Platz und neben dem Platz. Nach kurzem Überlegen wurde er aktiv – und schuf die DSMM. „Dieses Turnier ist ideal“, sagt Neufeld, „man kann sich im Alter noch im Sport messen. Und, was wichtiger ist: Wir sind wie eine Familie.“ Eine große Familie. Waren es anfangs nur ein paar Dutzend Akteure, die teilnahmen, kann Neufeld heute Rekordzahlen verkünden. 50 Mannschaften – 38 Männer- und 12 Frauenteams – waren diesmal mit 350 Spielern gemeldet. An den zwei Wettkampftagen fanden 134 Teambegegnungen mit 610 Einzelspielen statt. „Das geht fast nur hier“, sagt Neufeld und verweist auf die 23 Plätze auf der Anlage des RSC, Europas größtem Racket-Center. Wahrscheinlich wird auch im kommenden Jahr das Turnier dort stattfinden, aber wenn sich mehr als 60 Mannschaften anmelden sollten, wäre selbst die Fitness- Burg beim RSC zu klein.

Die Begeisterung für die DSMM ist enorm. Um in München dabei zu sein, legen alle Spieler zusammen mehr als 200000 Kilometer Reisestrecke zurück. Das hat Neufeld ausgerechnet, „weil es mich einfach mal interessierte“. Ein Team aus Oldenburg kam mit einem eigenen Flugzeug; einer der Spieler ist Pilot. Wie begehrt dieses Turnier bei den über 35-Jährigen geworden ist, belegt auch die Stärke der Teilnehmer. Viele Teams haben für dieses Wochenende ausländische Spieler angeheuert. Der Drittplazierte 2000, SRC Hannover, trat mit dem Australier Ross Norman an, Squash-Insel Augsburg mit dem früheren Profi Andrew Marshall aus England, der SC München-Solln mit dem British-Open- Sieger Frederik Johnson aus Schweden.

Auch den Gastgebern des RSC München gelang eine Verstärkung. Eine außergewöhnliche sogar. Der als Squashlegende bezeichnete Pakistaner mit englischem Pass Hiddy Jahan unterstützte das Team. Obwohl er in London lebt und dort mittlerweile als Squashtrainer arbeitet. Zehn Jahre gehörte er zu den besten vier Spielern der Welt. Bei den Männern. Bei den Senioren dominierte er noch mehr, allein die British Open, vergleichbar mit Wimbledon im Tennis, gewann er zwölfmal. „Es ist eine Herzenssache, dass ich hier spiele“, sagt Jahan, „die Leute sind fantastisch, alle behandeln mich so respektvoll.“

Da störte es ihn auch nicht, dass er trotz seiner Erfahrung zwei seiner Spiele verlor. „Die waren einfach zu jung“, sagt er schmunzelnd und berichtet, einer seiner Gegner sei ein „young boy“ gewesen – mit 37 Jahren. Jahan ist 51, aber seine Begeisterung ungebrochen. Mit verschwitzten Haaren und weißem Handtuch um den Hals läuft er durch die Gänge, bleibt hier und da stehen, plaudert mit Kollegen, feuert seine Mitspieler hinter den Plexiglasscheiben an und lässt sich nebenbei von Bewunderern auf die Schulter klopfen. Er scheint jede Sekunde dieses Turniers zu genießen.

Dabei verdient Jahan keinen Pfennig an diesem Wochenende. Allerdings muss er auch keinen ausgeben, die Spesen übernimmt Neufelds Team. Überhaupt ist das Turnier eine Plus-Minus-Null-Rechnung, die Unkosten von 50000 Mark werden durch Sponsoren und die Meldegebühr gedeckt. Einen Überschuss gibt es nicht. „Aber das ist egal“, sagt Neufeld, „es geht um das Miteinander.“ Deshalb hat man auch ein Spielsystem entworfen, bei dem alle gleich oft spielen, unabhängig davon, ob sie Letzter oder Erster werden. Auch bei der Siegerehrung müssen alle auf die Bühne.

Schlängel ist zu stark

Für den RSC München mit Jahan hat es immerhin zum Finale gereicht, der SC Schängel Koblenz war dann jedoch zu stark. Man verlor 2:3. Uwe Peters, der kürzlich als erster deutscher Spieler aller Zeiten im Finale der British Open stand, erniedrigte Jahan gar 3:0 nach Sätzen. „No problem“, befand der Unterlegene aber fröhlich, wohl schon ganz in Gedanken bei der abendlichen Players Night. Laut Pressemappe soll die nämlich „berühmt- berüchtigt“ sein, und auch Neufeld bestätigt: „Da wird gefeiert bis in den Morgen. Woher die alle den Strom dafür nehmen, ist mir ein Rätsel.“ Vielleicht liegt es ja einfach nur an ihrer Leidenschaft. Schließlich sind sie Squashverrückte.

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