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Viele Erfolge und der plötzliche Schock
Viele Erfolge und der plötzliche Schock

MZ: Nichts und Niemand stoppt Korell

MÜNSTER Die Geschichte klingt fast wie ein modernes Märchen. Simone Korell wurde am Sonntag Ü 40-Weltmeisterin im Squash. Das allein ist aller Ehren wert. Doch die Akteurin des Squashboard Münster hat ein bewegtes Jahr hinter sich. Im Sommer 2009 erhielt sie die Diagnose Brustkrebs. Ein gutes Jahr später ist sie die Beste ihrer Altersklasse auf dem ganzen Planeten.

Am Ende war die Freude über das gewonnene Endspiel bei der WM in Köln gegen Judith Anne Casbolt (11:9, 11:2, 11:7) riesig. Viel schöner war für Simone Korell aber, dass der Teil, der sie ein Leben lang begleitete, wieder ein wenig in den Mittelpunkt rückte: kämpfen und sich verausgaben auf dem Court. Den Titel gab es als Zugabe.

Viele Erfolge und der plötzliche Schock

Simone Korell, die 1989 erstmals für den SC Ratingen in der Bundesliga aufschlug und seitdem ununterbrochen in Deutschlands Squash-Oberhaus dem Gummiball nachjagt, hat so ziemlich alles an Titeln erreicht: Deutsche Mannschaftsmeisterin, Europapokalsiegerin der Landesmeister, Vize-Europameisterin mit dem Mannschaft, nationale Titel der Klassen Ü 35 und Ü 40 und mehr als 100 Siege bei nationalen Turnieren. 2009 holte sie noch den EM-Titel der Ü 40.

Dann folgte der Schock. Brustkrebs. Die plötzliche Konfrontation mit den neuen Lebensumständen krempelte ihr Leben total um. Nicht nur die Frage, ob und wie Hochleistungssport zu der Krankheit führte, stand im Raum, auch ob es jemals wieder möglich sein würde, an eine ähnliche Leistung anzuknüpfen, oder ob es überhaupt sinnvoll ist, eine solche Leistungsfähigkeit von sich zu verlangen.

Warten auf die Genehmigung

Im Sommer 2009 wurde Simone Korell erfolgreich operiert. Es folgten eine Strahlentherapie und die Nachbehandlung mit Medikamenten. Vier Wochen nach der OP stand Korell dann zum ersten Mal wieder auf dem Court und begann mit zaghaften Schlägen den Wiedereinstieg ins Training. Was aber danach folgte, war so grotesk, das Korell einen Ausstieg aus dem Leistungssport ernsthaft in Erwägung zog.

Von der Antragstellung bis zur medizinischen Ausnahmegenehmigung vergingen drei Monate. „Glauben die eigentlich, dass ich die Arztberichte selbst geschrieben habe. Ich würde liebend gerne auf diese Medikamente verzichten“, sagte Korell damals. Eine Starterlaubnis für internationale Turniere gab es seitens des DSQV nicht. Man müsse die Entscheidung der nationalen Antidoping-Agentur abwarten.

Souveräner Durchmarsch

Anfang November kam dann die Ausnahme-Genehmigung. In der WM-Vorbereitung waren die Leistungen ansteigend, im Juni folgte der erste nationale Turniergewinn in Bremen. Bei den MS-Open startete Korell im Herrenfeld und wurde erst im Halbfinale gestoppt – durch einen Bänderriss. Aber wieder gab die Physiotherapeutin nicht auf, therapierte nicht nur ihren Fuß, sondern auch sich selbst. Stetig trainierte sie mit ihrem Coach Ralf Brandt in Münster. In der vergangenen Woche begannen dann die Worldmasters in der Rheinmetropole. Dort stellte sich heraus, dass ihre Spielgenehmigung erst kurz zuvor eingetroffen war.

Das Turnier mit über 800 Teilnehmern, das größte der Welt, lieferte tolle Begegnungen. Korell spielte in den ersten Runden souverän und traf im Halbfinale auf die an Eins gesetzte Sarah Jane Nelson (Australien). Mit 10:12, 11:7, 11:9 und 11:6 sicherte sich die Münsteranerin den Finaleinzug. Dort spielte die 1,60 Meter große Akteurin , als sei ihre Leidenszeit wie weggefegt. Casbolt blieb chancenlos. Am Tag nach dem Titel begab Korell sich schon wieder auf die Joggingstrecke. „Sich nicht bewegen zu können, ist für mich das Schlimmste. Bewegung gibt mir Ruhe“, sagt sie. Und im Hinterkopf bleibt die Erkrankung.

Simone Korell kann sich nun als Ü40-Weltmeisterin feiern lassen. (Foto: Privat)

Simone Korell kann sich nun als Ü40-Weltmeisterin feiern lassen. (Foto: Privat)

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